Helfen Spenden Förderer werden

GRenzerfahrung | Teil 3

Bericht vom 30. Juli 2017

In der vergangenen Woche sind in Griechenland 385 Menschen angekommen. Am häufigsten fliehen sie vor dem weiterhin andauernden Krieg in Syrien, der politischen Unsicherheit im Irak und vor ethnischer Verfolgung in Afghanistan.

Wir möchten in den kommenden Wochen aus Griechenland berichten. Wir sind mit der Organisation Intereuropean Human Aid Association (IHA) in Thessaloniki, im Norden Griechenlands. Diese fünf Wochen sind für uns eine GRenzerfahrung, von der wir Euch gerne erzählen möchten.

Zum letzten Mal bezahlen wir die Autobahngebühren. Eine Fahrt nach Larisa, etwa zwei Stunden Autofahrt von Thessaloniki entfernt, kostet einfach viel Geld. Und dennoch stellt sich die Frage nach der Notwendigkeit für die Fahrt nicht. Wir warten vor dem Eingang zur vorübergehenden Unterkunft Larisa-Koutsochero, das derzeit etwa 650 Menschen auf ihrer Flucht eine Unterkunft bietet. Von einem ‚Zuhause’ kann hier aber nicht gesprochen werden. Es gibt nur ein paar wenige Bäume, die die Bewohnerinnen und Bewohner vor der Gluthitze dieser Gegend schützen, der steinige Untergrund lädt nicht gerade zu einem unbeschwerten Spielen unter freiem Himmel ein und außerdem ist um das Camp: nichts. Die Stadt Larisa ist zu Fuß nicht zu erreichen, keine Tankstelle, kein kleiner Einkaufsladen, in dem man sich eine Flasche Wasser kaufen oder seine Handykarte aufladen kann. Die Menschen in Larisa hängen am Tropf der NGOs, die hier vor Ort Hilfe leisten.

Einmal in der Woche ist die IHA mit einer Gemüseverteilung in Larisa. Kaum steigen wir aus dem Auto, scharen sich auch schon die Kinder um unseren Van – wer schon eine gewisse Zeit hier lebt, erkennt den weißen Van mit dem Münchener Kennzeichen sofort. Ein Bewohner, der die Menschen, die hier leben kennt und vor allem die Sprache der zumeist syrisch-kurdischen Bewohner*innen spricht, hilft uns bei der Verteilung der blauen und grünen Gemüsetüten. Der Inhalt der Blauen ist für einen Haushalt mit drei Personen vorgesehen – grüne Tüten werden Einzelpersonen ausgehändigt. Ein einfaches System, dass sich bewährt hat, auch wenn es immer wieder zu Diskussionen und Fragen kommt. Heute hilft uns eben jener Bewohner, die Gemüter zu beruhigen, wenn etwas nicht klar ist, die schweren Kisten aus dem Van zu laden und die steilen Wege innerhalb des Camps hinaufzutragen. Am Ende klopfen wir mit den Tüten in der Hand an die Türen der Container-Behausungen: Vegetables for you – You are welcome!

Nach vier Stunden haben wir nahezu alle Tüten verteilt. Was übriggeblieben ist, bleibt vor Ort – einige der Bewohner*innen sind für ihre Asylantragsverfahren in Athen. Wir sind fast am Ende unserer Verteilung angekommen, als es plötzlich zu regnen beginnt. Und es beginnt nicht nur regnen – es schüttet! Die Wege Koutsochero werden zu Bächen. Wir sitzen glücklicherweise im schutzbietenden Van. Nach 20 Minuten ist das Unwetter über uns hinweggezogen. Die Jugendlichen haben sofort wieder den Fußball für sich entdeckt und unser Van ist wiederum von unzähligen Kindern belagert, die uns unaufgefordert beim Einsammeln der leeren Kisten helfen, was für die Kinder eine gelungene Abwechslung im Alltag bedeutet. All dies geschieht unter den mehr oder weniger wachsamen Augen des griechischen Militärs, das gerne mit ihren Jeeps zwischen den Häuserreihen patroulliert.

Die Menschen, die in den Camps des griechischen Festlandes leben, warten auf die Bearbeitung ihrer Asylbegehren. Über 62.000 sind dies laut International Organization for Migration in Griechenland. Für diese Menschen wird hier deutlich spürbar, was die Regulation zur Verteilung von Asylsuchen in Europa (Dublin III) eigentlich bedeutet. Die Menschen in Koutsochero warten darauf mitgeteilt zu bekommen, ob sie Asyl in Europa erhalten, welches Land dieses Gesuch für sie entgegennimmt und wann dem entsprechenden Gesuch stattgegeben wird. Alle Menschen hier haben ihre Fingerabdrücke und Informationen für die europäische Datenbank Eurodac abgeben müssen. Zu den Befragungen (Interviews) bezüglich ihres Asylbegehrens müssen diese Menschen in die griechische Hauptstadt reisen. Athen ist noch über 350 Kilometer von Larisa entfernt.

Folgt unserem Instagram-Account https://www.instagram.com/iha_help/ und erhaltet weitere Einblicke in die Arbeit der IHA.