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GRenzerfahrung | Teil 2

Bericht vom 23. Juli 2017

In der vergangenen Woche sind in Griechenland 312 Menschen angekommen. Am häufigsten fliehen sie vor dem weiterhin andauernden Krieg in Syrien, der politischen Unsicherheit im Irak und vor ethnischer Verfolgung in Afghanistan.

Wir möchten in den kommenden Wochen aus Griechenland berichten. Wir sind mit der Organisation Intereuropean Human Aid Association (IHA) in Thessaloniki, im Norden Griechenlands. Diese fünf Wochen sind für uns eine GRenzerfahrung, von der wir Euch gerne erzählen möchten.

Der Strand ist nur wenige hundert Meter entfernt. Es ist heiß, aber ein kühler Wind, der zwischen Bäumen weht, macht die Hitze etwas erträglich. An der Bushaltestelle direkt am Strand warten Badegäste. Wir parken die Autos und steigen aus – wir gehen nicht an den Strand, sondern in eine ehemalige Ferienwohnungssiedlung, die heute Wohnraum für etwa 150 flüchtende Menschen ist. Die meisten von ihnen sind vor dem Krieg in Syrien geflohen und teilweise schon seit drei Jahren unterwegs. Ihre Flucht hat sie über die Türkei auf die griechischen Inseln und schlussendlich bis nach Nordgriechenland geführt. Wir sind in Epanomi, etwa 45 Minuten Autofahrt von Thessaloniki entfernt. Die IHA ist in dieser vorübergehenden Unterkunft aktiv: Es werden Spielenachmittage für die Kinder angeboten, zusätzliches Gemüse und Milch für die Familien bereitgestellt und mit den Kindern Geburtstag gefeiert.

Viele der Menschen, die in Epanomi leben, warten darauf, mit ihren Familienmitgliedern wieder zusammenzukommen. Die Väter, die in Großbritannien leben oder der Onkel in Schweden – die Bestrebungen, Familien gemeinsam leben zu lassen sind vorhanden, aber dauern leider sehr lange. Teilweise müssen die Familien drei Jahre warten ehe sie wieder ein gemeinsames Leben verbringen und ihren Kindern eine Perspektive liefern können. Dies sind Jahre, die ihnen niemand mehr geben kann – da hilft auch die Nähe zum Strand in Epanomi nichts. Es ist kein Urlaub, indem sich diese Menschen befinden, sondern eine Flucht vor Krieg, Folter und Unterdrückung. Während die EU mit politischen Möglichkeiten einer beschleunigten Umsetzung von Familienzusammenführung auf sich warten lässt, feiern die freiwilligen Helfer*innen der IHA mit den Kindern Geburtstag, spielen mit den Jugendlichen eine Partie Fußball und reden mit den Menschen über die Sorgen des Alltags. Wir freuen uns heute über einen 19 Tage alten Säugling – geboren auf der Flucht in Griechenland.

Wir sind auf einem Kindergeburtstag, die Teller voller Kuchen, und dürfen uns mit den Kleinen freuen. Für einen kurzen Moment vergessen alle, warum sie hier sind. Auf dem kleinen Balkon in der vorübergehenden Unterkunft für Flüchtlinge in Epanomi verschwinden alle Grenzen. Länder, Menschen, Ideen und Ängste sind auf den wenigen Quadratmeter ganz nah beieinander. Was wird aus dem kleinen Geburtstagskind werden? Wo wird es leben können? Die Musik ist laut und wir klatschen und tanzen, der Kuchen ist zuckersüß und die Kinder rennen Luftballons hinterher, klettern auf die Rücken der Volunteers.

Als wir wieder in unserem Auto Richtung Thessaloniki sitzen, sind alle geschafft. Drei Stunden Spielen mit den Kindern, Gemüse verteilen an die Erwachsenen und zwischen den verschiedenen Übersetzungen kommunizieren. Es ist nicht immer einfach, alle und jeden zu verstehen. Als wir uns in den Feierabendverkehr von Thessaloniki einreihen, erhalten wir den Arbeitsplan für den kommenden Tag – morgen geht es für alle weiter.

Weitere Informationen zum Thema Familienzusammenführung
Das Mobile Info Team in Thessaloniki setzt sich für eine rasche Familienzusammenführung ein. Hierzu haben sie eine Petition gestartet.

Bei unserem Instagram-Account unter https://www.instagram.com/iha_help/ erhaltet ihr einen Einblick in die Arbeit der IHA.