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GRenzerfahrung | Teil 1

Bericht vom 16. Juli 2017

In der vergangenen Woche sind in Griechenland 379 Menschen angekommen. Am häufigsten fliehen sie vor dem weiterhin andauernden Krieg in Syrien, der politischen Unsicherheit im Irak und vor ethnischer Verfolgung in Afghanistan.
Wir möchten in den kommenden Wochen aus Griechenland berichten. Wir sind mit der Organisation Intereuropean Human Aid Association (IHA) in Thessaloniki, im Norden Griechenlands. Diese fünf Wochen sind für uns eine GRenzerfahrung, von der wir Euch gerne erzählen möchten.

Es ist heiß in Griechenland – sehr heiß. Das Thermometer in Thessaloniki zeigt 40 Grad Celsius. Noch während man die Dusche verlässt, rennt einem der Schweiß auch schon wieder über den Rücken – und abends kommen dann die Mücken. Einfach jede Tätigkeit muss wohl überlegt sein. Bei derartigen Temperaturen wundert es einen nicht, dass in der vergangenen Woche laut International Organisation of Migration (IOM) deutlich weniger Menschen nach Griechenland gekommen sind. Die Überfahrt über das Ägäische Meer und die Fluchtroute entlang der türkischen Straßen und Bahnlinien sind lebensgefährlich. Man flieht in diesen Tagen auch vor der Sonne.

Folgende Fragen werden uns in den kommenden Wochen immer wieder beschäftigen: Wie ist die Situation in Griechenland in Zeiten des sogenannten EU-Türkei-Deals? Was bedeutet es als Mensch „illegal“ zu sein? Wer arbeitet freiwillig für die vielen Nichtregierungsorganisationen, opfert ihren/seinen Urlaub und private Freizeit, um Menschen zu helfen?

Ein erstes Projekt, das wir bei der täglichen Arbeit unterstützt haben, ist foodKIND. Gemeinsam mit ihren Helferinnen und Helfern ist die IHA in Thessaloniki unterwegs, um Menschen ohne Obdach, ein Brot zu geben, einen Tee zu reichen und ein paar herzliche Worte auszutauschen. Letzteres ist oftmals der wichtigste Kontakt des Tages für diese Menschen, denn es wird nach dem körperlichen Befinden oder irgendwelchen sonstigen Problemen gefragt. Unter unwürdigen und menschenfeindlichen Bedingungen müssen viele Menschen als sogenannte „Illegale“ oder „Sans-papiers“ ihr derzeitiges Leben verbringen. Und das nicht weit von jenem Meer entfernt, an dem jeden Tag tausende Touristen ihren Urlaub verbringen.

Die freiwilligen Helfer*innen von foodKIND erzählen uns zu jedem einzelnen Menschen eine Geschichte – sofern sie diese kennen, denn viele haben Angst vor der Polizei. Die Bedeutung des Wortes „Illegal“ ist: Sie haben keinen Pass. Doch etwas viel Wertvolleres trägt jeder Mensch immer und überall bei sich – eine Erinnerung an die eigene Heimat, den Lieblingsort oder die Schulzeit. Erinnerungen an die Eltern und Großeltern und somit an die Geschichte der Familie. Aber auch Erinnerungen an die Zeit mit dem aggressiven Ehemann zuhause. Dies sind jene Geschichten, die uns nachdenklich machen. Aus der Zahl 379 sind plötzlich ganz unterschiedliche Menschen geworden. Aus einem anonymen Kollektiv wurde ein Handschlag und ein „Danke“.

Wir werden in ein stillgelegtes Fabrikgebäude eingeladen. Auf einer Decke auf dem kühlen Steinboden sitzend, unterhalten wir uns über den Alltag junger Menschen: Facebook, Perspektiven, Strand und Sonne. Der warme Wind bläst durch die völlig maroden Hallen. Es ist ein menschenfeindlicher Ort – aber der kühle Steinboden, das erfrischende Getränk und die Gastfreundschaft dieser Menschen, lassen uns trotz allem für einen kurzen Moment das Leben genießen.

Als wir uns verabschieden und sich unser Auto wieder in den nimmermüden Stadtverkehr einreiht, wird uns eines deutlich: Die Zahl 379 bedeutet so viel mehr. Die Zahl 379 bedeutet die Möglichkeit, Menschen kennenzulernen, ihren Geschichten zuzuhören und Freunde zu gewinnen.

Bei unserem Instagram-Account unter https://www.instagram.com/iha_help/ erhaltet ihr einen Einblick in die Arbeit der IHA.