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Entstehung des Idomeni Cultural Centers (von Sebastian)

Ausgangssituation und Idee

Nach einigen Wochen in Idomeni stand für mich fest, dass im Camp die wichtigsten Bedürfnisse weitgehend abgedeckt sind. Es gibt mehrere Teams, die die medizinische Versorgung gewährleisten, die warme und kalte Mahlzeiten sowie Chai anbieten und auch Kleidung ist durch verschiedene Gruppen abgedeckt. Außerdem hat (fast) jeder ein Dach bzw. ein Zelt über dem Kopf. Wir als IHA unterstützten diese Gruppen mit helfenden Händen und kümmerten uns selbst um die Verteilung von Kleidung und sogenannten „most needed items“ wie Unterwäsche, Hygiene Pakete, Sonnencreme etc.

Ich beschloss einen Schritt zurück zu treten und machte mir mit ein paar anderen Langzeit-Helfern Gedanken, wie wir weiterhin die Situation verbessern könnten. Uns wurde klar, was bisher außer Acht gelassen wurde: Erziehung, Beschäftigung, Weiterbildung und kultureller Austausch. Mit der Zeit entstanden einige Angebote für Kinder und bei gutem Wetter konnte Fußball gespielt werden – auf jeden Fall Schritte in die richtige Richtung, denn die Anspannung im Camp stieg seit Wochen spürbar an, Ausschreitungen mehrten sich, Resignation und Unmut breiteten sich aus. Hoffnung weichte hier und da der Ratlosigkeit. In vielen Einzelgesprächen mit Geflüchteten haben wir versucht zu eruieren, was im Camp wirklich fehlt und was sich die Bewohner selbst aufbauen würden. Die Idee, ein Cultural Center zu errichten war geboren und nahm schnell Formen an. Es sollte ein Raum entstehen für Erwachsene und Kinder, an dem Platz ist für Unterricht, Weiterbildung, Workshops, Theater etc. Kurz: für Bildung und Kultur.

Umsetzung

Zuallererst ging es um einen geeigneten Standort und hier haben wir uns überlegt, wo ein solches Zentrum am meisten Sinn macht. Das Beschäftigungsangebot konzentrierte sich im Camp auf Sektor B. Daher beschlossen wir auf jeden Fall weit davon entfernt unser Projekt zu starten. Das Hauptproblem im Vorfeld war, den ausgewählten Platz dann auch bestätigt zu bekommen. Es war mir ein großes Anliegen eine offizielle Zusage zu erhalten und erst dann das Cultural Center aufzubauen. Denn das Projekt war für Wochen bzw. Monate, also bis Idomeni nicht mehr ist, ausgelegt und das wollten wir uns nicht von launischen Landeigentümern erschweren lassen. So wurde der Grund angemietet und sofort mit der Konstruktion begonnen. Als erstes ein großes (70m2) Zelt, das Börje (IHA) und Lars (Münchner Freiwillige – wir helfen e.V.) aus München brachten und in einer spektakulären Aktion aufstellten. Als das Zelt stand, ging es an Boden und Möbel. Alles wurde aus Holz und Paletten gebaut. Parallel wurden die ersten Unterrichtsmaterialien eingekauft (Hefte, Whiteboards, Marker etc.) und ein Stundenplan entworfen, der Kinder und Erwachsene gleichermaßen berücksichtigt und Platz für ein vielfältiges Angebot lässt. Nach wenigen Tagen der Bau- und Planungszeit dann der Tag der Eröffnung: einer der schönsten Tage für mich und die involvierten Helfer und Geflüchteten.

Schon morgens standen Kinder und Erwachsene in Scharen um das neue Zelt und freuten sich darauf endlich wieder mal was zu lernen, etwas anderes zu tun, anderem zu lauschen als immer denselben Geräuschen… In Zusammenarbeit mit Hot Food Idomeni konnten wir am ersten Tag Frühstück und ein warmes Mittagessen bereitstellen.

Der Unterricht ist sehr gut angenommen, es lehrten vor allem Refugees, aber auch Volunteers boten Kurse an (Deutsch, oder kreative Projekte). Es war nach kurzer Zeit eines der erfolgreichsten Projekte im Camp und zog nicht nur Refugees wie Volunteers an, sondern auch Presse, da das Idomeni Cultural Center als Paradebeispiel zur Hilfe zur Selbsthilfe gilt.Trotz oder gerade aufgrund des Erfolgs setzen wir jetzt dieses Konzept in einigen anderen Camps um.

Leider wurde das Camp Idomeni in der letzten Mai Woche geräumt und somit auch das Cutlural Center abgebaut. Das spanische Team, welches das Center über den kompletten Zeitraum betrieben hat, setzte eine Facebook Seite auf, um alle Interessenten auf dem Laufenden zu halten. Nun betreiben sie weitere Center in verschiedenen Camps und haben sich umbenannt in Open Cultural Centre – auch wir freuen uns wieder über eine gute Zusammenarbeit in dem Militärcamp Cherso.

Gerne könnt ihr euch hier auf dem laufenden halten: https://www.facebook.com/Open-Cultural-Center-OCC-former-Idomeni-Cultural-Center-1302471973114551/?fref=ts